Regierungen und Zentralbanken gehen Hand in Hand

Regierungen und Zentralbanken gehen Hand in Hand
Stand: 31. Mai 2022

Die Inflation in Europa steigt immer höher. In Deutschland lag die jährliche Inflationsrate im Mai bei 7,9% und im Euroraum bei 8,1%. Die nominalen Löhne steigen zwar auch, mit rund 4% gg. Vj, aber das bedeutet trotzdem einen spürbaren Rückgang der realen Kaufkraft. Die privaten Haushalte spüren dies bereits und die Stimmung bei den Verbrauchern ist entsprechend schlecht.

Die Notenbanken haben zuletzt wegen dieser Entwicklung an Glaubwürdigkeit verloren und versuchen diese wieder zu festigen. Die Aussagen der Notenbankmitglieder gehen alle in die Richtung, dass man nun alles unternehmen werden, um die Inflationsdynamik zu verlangsamen. Damit wird implizit und teilweise auch explizit deutlich gemacht, dass die Notenbanken auch bereit sind,  ein schwächeres Wirtschaftswachstum zu akzeptieren, um ihr Ziel einer niedrigeren Inflation zu erreichen.

Notenbanken haben natürlich die Werkzeuge, einen Inflationstrend zu beenden; jedoch sind die Nebenwirkungen dieser Instrumente ein schwächeres Wachstum. Daher wurden in der Regel frühere Phasen mit solch hohen Inflationsraten mit einer Anpassungsrezession beendet. Doch der aktuelle Zyklus scheint etwas unterschiedlich zu sein. Zum einem waren die Zentralbanken lange Zeit zu zögerlich, aus Angst das Wirtschaftswachstum zu stark zu dämpfen. Dies hatte zur Folge, dass die Inflationsdynamik so stark gestiegen ist. Jetzt, da die Notenbanken um den wichtigsten Baustein der Geldpolitik kämpfen müssen, ihrer Glaubwürdigkeit, melden sich immer mehr Regierungen mit Ideen, die Folgen der hohen Inflation für die privaten Haushalte abzufedern. Die Vorschläge sind breit gefächert. Vom Energiegeld in Deutschland bis zu den Zinsferien in Polen – je nach nationalen Erfordernissen.

Im Grunde nutzen die Regierungen das weiterhin attraktive Renditeniveau, um mögliche negative Effekte der Notenbankpolitik zu dämpfen. Damit sollte die Staatsverschuldung der Länder aber weiter ansteigen. Mit der steigenden Staatsverschuldung steigt natürlich auch die Zinssensitivität der Staatshaushalte und somit auch die Abhängigkeit von der Zinspolitik der Zentralbanken.

Kurzfristig ist es sicherlich opportun, wenn die Regierungen die asymmetrischen sozialen Folgen der hohen Inflation abfedern. Mittelfristig dürfte damit das Problem der hohen Verschuldung weiter zunehmen. Wie man jetzt sieht, können Notenbanken nicht unendlich lange auf die hohe Staatsverschuldung Rücksicht nehmen. Die absehbaren Probleme aus dieser Entwicklung sind offensichtlich. Besser wäre es, wenn die Notenbanken wieder stärker auf eine mittelfristige Inflationsglättung achten, um eine solche Entwicklung zu vermeiden.

Kurzfristig können die staatlichen Maßnahmen natürlich positive Konjunkturimpulse geben, die von den Aktienmärkten freudig aufgenommen werden sollte. Der mittelfristige Konjunkturausblick dürfte sich jedoch nicht verändern und sehr durchwachsen bleiben.

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