Britisches Pfund im Blickpunkt (November 2021)

Britisches Pfund im Blickpunkt (November 2021)
Stand: 3. Dezember 2021

Währungsentwicklung

Die Wertentwicklung im Pfund sorgte bei den Marktteilnehmern in den vergangenen Wochen für Geduldsproben. Die Einschätzung für die Inselwährung war positiv eingefärbt, doch der Gouverneur der Bank of England sorgte mit seinen 180-Grad-Wendungen für zu starke Turbulenzen. Vor gut vier Wochen machte das MPC (Zentralbankrat der Bank of England) den Eindruck, den hohen Verbraucherpreisen mit restriktiver Politik zu begegnen. In der Sitzung des Komitees zwei Wochen später, hatte sich Gouverneur Bailey als regelrechte Taube entwickelt und schickte das Pfund auf Talfahrt. Aus Sicht der Zentralbankpolitik, gab es somit wenig Grund an dem Pfund weiter festzuhalten. Zunächst blieb lediglich die technische Lage mit dem Widerstand bei 0,8385 in €/£, der in den kommenden Tagen als positives Signal brechen sollte. Doch dabei blieb es nicht, denn in den Verhandlungen mit der Europäischen Union verbesserte sich der Unterton deutlich. Seitens des Kontinents gab es vermehrt Stimmen, an eine baldige Lösung der Zollfrage mit Irland zu glauben. Die Experten gingen immer mehr von einer pragmatischen Lösung aus – das half dem Pfund. Flankierend dazu gab es auch gute Ergebnisse bei den Indikatoren – die Einkaufmanager konnten sich besser zeigen und auch der Einzelhandel legt jüngst positive Überraschungen vor. Wenngleich das Pfund aktuell seine Möglichkeiten ausgeschöpft hat, besteht kein dringender Handlungsbedarf zum Abbau von Positionen.

GELDPOLITIK

Auch nach der durchaus überraschenden Kommunikation der Bank of England aus ihrer letzten Sitzung heraus wäre eine Erhöhung der Leitzinsen – so wie es erwartet war – kein geldpolitischer Fehler gewesen. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass sich der Arbeitsmarkt erfreulich robust zeigte, ebenso hatten die steigenden Verbraucherpreise ausreichend Argumente für eine Straffung geliefert und der Einzelhandel überraschte ebenfalls positiv. Die Mitglieder des MPC werden in den kommenden Wochen wieder zu den geldpolitischen Themen sprechen und es wird viel kommunikative Arbeit von Nöten sein, die Erwartung der Märkte, von 40 Punkten Erhöhung, mit der politischen Richtung der Zentralbank in Einklang zu bringen. Allerdings werden die Offiziellen der Bank of England hierbei versuchen, entsprechende Wendemanöver zu unterlassen.

Unsere aktuelle Einschätzung

Das britische Pfund ist für Kreditnehmer – mit überwiegenden Einkünften in Euro – kurz-, mittel- und langfristig spekulativ.

Kurzfristig umfasst den Prognosezeitraum der kommenden zwölf Monate, mittelfristig rund drei Jahre und langfristig rund fünf Jahre. Spekulativ bedeutet dabei, dass mit hohen Währungsschwankungen zu rechnen ist.

Break-Even-Kurse

Der Break-even-Kurs gibt jenen Euro-Kurs an, bei dem der Zinsvorteil respektive der Zinsnachteil durch die Währungsveränderung ausgeglichen wird.

1 Jahr3 Jahre5 Jahre
0,84970,88760,9254
* Der Break-even dient als Anhaltspunkt dafür, wie stark sich rechnerisch ein Wechselkurs bei gleichbleibendem Sollzinssatz verändern darf, damit Sie aufgrund des bestehenden Zinsvorteils in der niedriger verzinsten Währung nach einer bestimmten Laufzeit sich immer noch gleich oder besser stellen als mit einem Darlehen in Euro. Erst bei Unterschreiten des Break-even-Kurses würden die Kreditkosten in einer Fremdwährung über den Kosten eines Euro-Kredites liegen.

Währungsprognose (Kursentwicklung Euro zu Britischem Pfund)

Kurzfristig (3 Monate): seitwärts
Mittelfristig (6 Monate): seitwärts
Langfristig (12 Monate): abwärts

Als Faustregel bei den möglichen Wechselkursveränderungen gilt:

Kursgewinn
Ist der Wechselkurs der Finanzierungswährung bei Rückzahlung höher als bei Aufnahme des Kredits, entsteht ein Kursgewinn, der zur weiteren Senkung der Finanzierungskosten beiträgt.

Kursverlust
Ist der Wechselkurs der Finanzierungswährung bei Rückzahlung niedriger als bei Aufnahme des Kredits, entsteht ein Kursverlust. Grundsätzlich gilt: Je länger die Währungsfinanzierung in Anspruch genommen wird und je höher die Zinsvorteile sind, desto eher kompensieren Kreditnehmer mögliche ungünstige Wechselkursveränderungen.

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