US-Dollar im Blickpunkt (Oktober 2022)

US-Dollar im Blickpunkt (Oktober 2022)
Stand: 31. Oktober 2022

Neben unseren Blogbeiträgen veröffentlichen wir in loser Folge zusätzlich unsere Einschätzungen zu Entwicklungen einzelner Währungen, um auf mögliche Veränderungen bei Zinsen und Wechselkursen hinzuweisen.

Denn bei Krediten spielt neben dem Finanzierungsgrund oder -anlass und neben der Laufzeit, Kredithöhe, Tilgung oder Rückzahlung natürlich auch der Zins eine herausragende Rolle. Bei Währungskrediten, also bei Krediten, die nicht in Euro, sondern in Währungen wie etwa Schweizer Franken oder US-Dollar ausgegeben werden, beeinflusst zudem die Wechselkursentwicklung zwischen dem Euro und der anderen Währung die Kredithöhe sowie die Rückzahlungshöhe. Bei einer Währungsfinanzierung wird der Kredit in der gewünschten Währung, beispielsweise in Dollar aufgenommen und später wieder in Dollar zurückgezahlt.

Währungsentwicklung

Insgesamt hatte sich der Euro in den vergangenen vier Wochen als recht robust erwiesen und konnte gegen fast alle Valuten zulegen. Allerdings gelingt es dem US-Dollar auch dieses Mal, Kursgewinne zu erzielen. Überraschenderweise befindet sich die Valuta gegenüber dem Euro über weite Teile des Beobachtungszeitraums unter der 0,99er-Marke. Da braucht es schon eine breite Entspannung auf dem Markt der US-Staatsanleihen in der 40. Kalenderwoche, damit der US-Dollar ein wenig unter Druck gerät. Doch schon gegen Ende der Woche sorgt der US-Arbeitsmarktbericht wieder für ein besseres Fundament im Greenback. Darüber hinaus befindet sich die Masse der einschlägigen Konjunkturindizes in der Expansionszone. Europa schneidet dagegen vergleichsweise schlecht ab. Nach dem kurzen Ausflug in Richtung Parität kann sich der US-Dollar wieder erholen. Die Preisfaktoren, Inflationsentwicklung, Energieversorgung und die Entwicklungen in China bleiben weiterhin unterstützend für den Außenwert des US-Dollars. Doch aktuell beginnen sich neue Faktoren zu etablieren. Dabei zeigt sich eine stärkere Anbindung des US-Dollars an die Entwicklung von Marktsegmenten, wie Aktien, Renditen und Rohstoffe. So könnte der US-Dollar von einem globalen Energieschock besonders profitieren. Darüber hinaus bleibt die Funktion als sicherer Hafen und als Anlagewährung weiter erhalten, was die Valuta ebenfalls unterstützt. Die sich etablierende „Höher-für-länger-Mentalität“ der US-Notenbank unterstützt zusätzlich. Brechen allerdings die oben genannten Faktoren weg, kommt es schnell zu empfindlichen Kursverlusten.

Geldpolitik

Nach den jüngsten US-Inflationszahlen und den Ergebnissen aus dem Protokoll des Offenmarktausschusses der US-Zentralbank, konnte sich die Bewertung der Zielzinsen weiter erhöhen. Letztmals wurden an dieser Stelle Sätze in der Spitze mit 4,6 Prozent postuliert. Aktuell werden bereits Zinsziele über der 5-Prozent-Marke formuliert. Parallel dazu mehren sich auch die Stimmen, welche vor einem so genannten „Overtightening“, also einer „Überstraffung“ der Geldpolitik warnen. Denn in der Vergangenheit hatten sich Leitzinsen in Richtung 5,5 Prozent und höher als etwas zu straff erwiesen und waren ein Problem für weite Bereiche der US-Wirtschaft.

Unsere aktuelle Einschätzung

Anleger: halten
Kreditnehmer: kurz-, mittel- und langfristig spekulativ

Kurzfristig umfasst den Prognosezeitraum der kommenden zwölf Monate, mittelfristig rund drei Jahre und langfristig rund fünf Jahre. Spekulativ bedeutet dabei, dass mit hohen Währungsschwankungen zu rechnen ist.

Break-Even-Kurse*

1 Jahr3 Jahre5 Jahre
1,00941,04141,0618
* Der Break-even dient als Anhaltspunkt dafür, wie stark sich rechnerisch ein Wechselkurs bei gleichbleibendem Sollzinssatz verändern darf, damit Sie aufgrund des bestehenden Zinsvorteils in der niedriger verzinsten Währung nach einer bestimmten Laufzeit sich immer noch gleich oder besser stellen als mit einem Darlehen in Euro. Erst bei Unterschreiten des Break-even-Kurses würden die Kreditkosten in einer Fremdwährung über den Kosten eines Euro-Kredites liegen.




Währungsprognose (Kursentwicklung Euro zu US-Dollar)

Kurzfristig (3 Monate): abwärts
Mittelfristig (6 Monate): seitwärts
Langfristig (12 Monate): aufwärts

Als Faustregel bei den möglichen Wechselkursveränderungen gilt:

Kursgewinn
Ist der Wechselkurs der Finanzierungswährung bei Rückzahlung höher als bei Aufnahme des Kredits, entsteht ein Kursgewinn, der zur weiteren Senkung der Finanzierungskosten beiträgt.

Kursverlust
Ist der Wechselkurs der Finanzierungswährung bei Rückzahlung niedriger als bei Aufnahme des Kredits, entsteht ein Kursverlust. Grundsätzlich gilt: Je länger die Währungsfinanzierung in Anspruch genommen wird und je höher die Zinsvorteile sind, desto eher kompensieren Kreditnehmer mögliche ungünstige Wechselkursveränderungen.

Aktuelle Beispiele für Finanzierungen in Währungen, wie sie von Privat- und Firmenkunden immer wieder in Anspruch genommen werden, finden Sie in den Blogbeiträgen.

Datenstand
19. Oktober 2022

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