Der Euro – ein Spiegelbild von Deutschland

Der Euro hat gegenüber dem US-Dollar im Laufe des Jahres mehr als 7% oder rund 10 Cent auf aktuell 1,13 USD/EUR verloren. Nun könnte man spontan sagen, dass diese Entwicklung natürlich der desolaten politischen Situation in Deutschland geschuldet ist. Man denke nur an die nicht enden wollende Diskussion um Corona und die entsprechenden Impfungen oder auch an Nord-Stream 2, wo sich Deutschland eigentlich entgegen allen Empfehlungen verhält. Insbesondere bei dem Thema Corona wird die schwache Performance der politischen Kräfte täglich deutlich, da man hier internationale Vergleiche ziehen kann.

Auch wenn die binnenpolitische Dynamik für Deutschland selbst, aber auch für den Euroraum insgesamt nicht sehr förderlich ist, ist das Bild etwas schief. Denn die politische Situation und die Entwicklungen sind in vielen anderen Euro-Ländern zuletzt eigentlich positiv und Corona als dominiertes Thema scheint man besser im Griff zu haben als in Deutschland.

Der eigentliche Grund für die Schwäche des Euro liegt aus meiner Sicht in der unterschiedlichen Politik der Zentralbanken. Die US-amerikanische Notenbank hat in den letzten Wochen angefangen, das geldpolitische Umfeld ganz moderat zu straffen und es werden perspektivisch weniger Anleihen gekauft. Zinserhöhungen sind zwar noch nicht angekündigt worden, jedoch sind zumindest die Erwartungen hierfür deutlich gestiegen. Die EZB hat zwar auch angekündigt, dass das PEPP, das Notprogramm zur Coronakrise, auslaufen soll. Jedoch hat die EZB keinen Zweifel entstehen lassen, dass es – falls notwendig – Ersatz geben soll. Zudem wurde den aufkommenden Erwartungen für perspektivische Zinserhöhungen im Euroraum durch entsprechende Kommentare aus der EZB der Boden entzogen. Somit wurde in den letzten Wochen noch einmal sehr deutlich, dass die EZB mit hoher Wahrscheinlich in allen Szenarien die Notenbank sein wird, die als letzte in einen restriktiven geldpolitischen Kurs einschwenken wird.

Die Abwertung des Euro gegenüber dem US Dollars könnte zwar noch etwas weitergehen, jedoch gehe ich davon aus, dass der größte Teil des Weges bereits beschritten wurde und sich eine Stabilisierung in den kommenden Monaten etablieren sollte. Kurse von unter 1,10 USD/EUR erscheinen mir daher als sehr unwahrscheinlich – außer wenn die die schwache politische Performance in Deutschland zu einer größeren Krise im Euroraum führen sollte.

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