Endlich
Stand: 9. September 2022


Die EZB hat gestern die Zinsen um 75 Basispunkte angehoben, die stärkste Zinsanhebung seit dem Bestehen der EZB. In der anschließenden Pressekonferenz wurden weitere Zinsanhebungen angekündigt – wenn notwendig können diese auch wieder größer ausfallen.

Die europäische Notenbank hat nun also endlich auf die viel zu hohe Inflation im Euroraum reagiert. Viel zu spät, aber notwendig. Weitere Zinsschritte werden folgen müssen, alleine um das für eine funktionierende Geldpolitik notwendige Vertrauen der privaten Haushalte und Unternehmen in die Geldpolitik wiederzugewinnen. Ein Notenbankzins von 3% wäre hier aus jetziger Sicht angemessen.

Der konjunkturelle Ausblick ist natürlich kein Grund zu Freudensprüngen. Die laufende Energiekrise und drohende Produktionsstopps sind ein Damoklesschwert für die europäische Konjunktur. Eine längerfristige Rationierung von Energie würde Europa und Deutschland in eine tiefe Rezession zwingen. Jedoch gehe ich weiterhin davon aus, dass man ein solches Szenario mit einer gemeinsamen Kraftanstrengung der westlichen Länder und allen Beteiligten vermeiden kann. Aber selbst wenn dies ausbleibt, ist der konjunkturelle Ausblick für 2023 sehr gedämpft. Viel kann man hier nicht erwarten. Damit dürften auch die Inflationsraten wieder fallen, aber spürbar über den Notenbankzielen von 2% verharren. Eine Hoffnung auf schnellen Zinssenkungen bereits in 2023 sind mit diesem Ausblick nicht gerechtfertigt.

Das veränderte Zinsumfeld wird natürlich nicht spurlos an der Wirtschaft vorbeigehen. Der Immobilienmarkt sendet bereits erste Schwächesignale, die sich noch verstärken und ausbreiten sollten. Unternehmen mit eine hohen Verschuldung brauchen nun ein robustes Geschäftsmodell, um durch die kommenden Monate ohne Blessuren zu kommen. Die privaten Haushalte verlieren bereits durch die hohe Inflation an Kaufkraft, die steigenden Zinsen könnten sich auch hier zunächst konsumdämpfend auswirken.

Alles im allen kein Grund zur Freude. Aber diese Fakten sind weitestgehend in den Märkten eingepreist. Produktionsstopps und eine tiefe Rezession aber noch nicht. Letzters ist aber für mich kein Hauptszenario – daher kann man nun anfangen nach gut aufgestellten Unternehmen, die günstig bewertet sind, Ausschau zuhalten.

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