Der Euro zeigt sich relativ stark

Der Euro hat seit dem Tiefpunkt von 0,97 im September letzten Jahres gegenüber dem US Dollar einiges an Wert gewonnen und hat eine Aufwertung von 13% auf aktuell rund 1,10 EUR/USD erfahren.

Einer der wichtigsten Treiber für diese Entwicklung dürfte die Zinspolitik der EZB gewesen sein. Die EZB hat zu Beginn des Inflationsanstiegs in 2022 sehr verhalten reagiert und hat zunächst nur von temporären Effekten gesprochen. Nur langsam ist bei der EZB die Einsicht gewachsen, dass die mit hoher Dynamik ansteigenden Verbraucherpreise kein vorübergehendes Phänomen sind sondern eine nachhaltige geldpolitische Reaktion erfordert. Dieses Umlenken in der geldpolitischen Kommunikation und in der realen Geldpolitik der EZB hat sich relativ schnell auch in verändernden Markterwartungen widergespiegelt. Wo man zunächst eine zögerliche EZB eingepreist hatte, wurden schnell die Zinserwartungen nach oben gezogen. Zwischenzeitlich haben sich die Zinserwartungen im Vergleich zur US Notenbank fast auf den Kopf gestellt. Es wird erwartet, dass die EZB nicht das Zinsniveau der Fed von rund 5 1/2% erreicht. Für die EZB erscheint ein Zinsniveau von 4% als realistisch, aber man rechnet damit, dass die EZB länger mit Zinsanhebungen beschäftigt sein wird und dass eine kommende Zinswende auch später stattfinden sollte.

Die Veränderungen in den Zinserwartungen der Notenbanken erklären sicherlich einen großen Teil der Aufwertung des Euro. Politisch, strukturell und wirtschaftlich lässt sich die Aufwertung dagegen nur schwierig begründen. Die politische Lage ist weiterhin im Spannungsfeld des Ukrainekriegs und den sich verschiebenden Interessen unserer Verbündeten und Handelspartner gefangen. Insbesondere das zunehmende Selbstbewusstsein von China macht sich hier bemerkbar, aber auch die klare Positionierung der USA, insbesondere hinsichtlich der heimischen Wirtschaft. Strukturell und wirtschaftlich zeigen sich allerorten Schwächen – ob der Arzneimittelmangel oder die nachlassende Marktmacht der deutschen Automobilindustrie. Der deutsche Mittelstand, das Rückgrat des wirtschaftlichen Erfolges, leidet unter Facharbeitermangel und Bürokratie.

Die oben beschriebenen Problemlagen dürften einem Höhenflug des Euro entgegenstehen. Vielmehr könnte der Euro seine Stärken weitestgehend ausgespielt haben. Andererseits ist die Wahrscheinlichkeit für eine erneute Eurokrise recht klein. Sicherlich, die Schuldenstände der Euro-Länder sind weiter angewachsen und der wirtschaftliche Ausblick hat sich nicht nachhaltig verbessert. Aber mit einem weiteren Zusammenwachsen des Binnenmarktes dürften sich zunächst noch einige Vorteile ergeben, die eine Krise des Euroraums zunächst nach hinten schieben. Somit sollte es nicht überraschen, wenn der Euro gegenüber dem US Dollar auch in den kommenden Monaten um den Wert von 1,05 pendeln wird.

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