Womit müssen wir rechnen?

Die globale Erwärmung kommt uns bereits jetzt teuer zu stehen und es werden in Deutschland bis Mitte des Jahrhunderts Schäden in Höhe von bis zu 900 Milliarden Euro erwartet. Wo liegen die größten Risiken?

1988 wurde bei den Vereinten Nationen der Weltklimarat (IPCC) ins Leben gerufen. Tausende Wissenschaftler aus der ganzen Welt tragen hier den aktuellen Kenntnisstand zu den Folgen und Risiken der globalen Erwärmung zusammen. Im März 2023 hat der Weltklimarat seinen Sechsten Sachstandsbericht vorgelegt.

Danach nehmen Naturkatastrophen wie Starkregen und Überschwemmungen, Waldbrände, Hitzewellen und Dürren überall auf der Welt zu. Wasser- und Lebensmittelknappheit werden weiter zunehmen, dadurch werden auch immer mehr Menschen ihre Heimat verlassen.

Insgesamt sind laut Bericht zwischen 3,3 und 3,6 Milliarden Menschen auf der Erde hochgradig anfällig für die negativen Folgen des Klimawandels. Am verwundbarsten seien West-, Zentral- und Ostafrika sowie Südasien, Zentral- und Südamerika, kleine Inselstaaten und die Arktis.

Zunahme der Migration

Der Klimawandel treibt immer mehr Menschen in die Flucht innerhalb ihres Heimatlandes. Momentan sind vor allem Extremwetter-Ereignisse wie Überschwemmungen oder Stürme der Grund. 2022 haben 32,6 Millionen Menschen deswegen ihr Zuhause verloren, drei Mal so viele wie noch im Jahr zuvor.

Derzeit führt der Klimawandel global hauptsächlich zu Binnenflüchtlingen und nicht zum oft beschworenen Flüchtlingsansturm auf Europa.

Hauptrisiken in Europa

Für Europa benennt der Weltklimarat insbesondere folgende Risiken:

  • Hitzewellen mit Toten und Schäden für die Ökosysteme
  • Bedrohung der Landwirtschaft und Lebensmittelversorgung durch anhaltende Dürren
  • Wasserknappheit
  • Überflutungen durch Starkregen
  • Bedrohung der Küstenregionen durch den Anstieg des Meeresspiegels

Kurzfristige Folgen für Deutschland

In Deutschland werden in naher Zukunft die Folgen des Klimawandels in einigen Bereichen deutlich zu spüren sein

  • Landwirtschaft

Der Anstieg der Temperatur, das vermehrte Auftreten von Trockenphasen im Sommer und die Zunahme von Niederschlägen im Winter haben Auswirkungen auf unsere Landwirtschaft. Das Anbauspektrum verschiebt sich, die verlängerte Vegetationsphase kann Gemüsebetrieben in Deutschland mehrere Ernten pro Jahr erlauben. Allerdings macht zum Beispiel die frühere Blüte Obstbäume anfälliger gegenüber Spätfrösten. Pflanzenschädlinge können sich durch die milderen Winter stärker ausbreiten. Die größere Anzahl von Hitzetagen bedeutet deutlich mehr Stress für die Kulturpflanzen. Extremwetter-Ereignisse wie Starkregen, Sturm und Dürre können zu Ernteausfällen führen. In diesem Jahr haben die deutschen Landwirte 3 Millionen Tonnen weniger Getreide als im Vorjahr eingefahren, da Regen und Sturm zu starken Schäden geführt haben.

  • Wasser

Deutschland hat in den vergangenen 20 Jahren 15,2 Milliarden Tonnen Wasser aus seinen natürlichen Speichern verloren. Insbesondere in den letzten 7 Jahren hat der Wasserverlust zugenommen. Regen kann die steigende Verdunstung und den sinkenden Grundwasserspiegel nicht ausgleichen. Laut einer Studie wird der Grundwasserspiegel vor allem im Norden und Osten Deutschlands weiter absinken, wenn keine aktiven Wasserspar-Maßnahmen und vermehrte Zufuhr durch Versickerung umgesetzt werden.

  • Gesundheit

Durch die steigenden Temperaturen wird sich in Deutschland voraussichtlich das Risiko für Infektionskrankheiten erhöhen. Krankheitserregende Bakterien vermehren sich besser, auch Tiere, die Erreger von Infektionskrankheiten übertragen können, breiten sich verstärkt aus. So übertragen bereits jetzt Stechmücken auch in Deutschland das West-Nil-Virus. Die Asiatische Tigermücke wird häufiger auftreten, sie kann Dengue-Fieber, Gelbfieber und das Zika-Virus weitergeben. Es gibt bereits jetzt neue Zeckenarten wie die Hyalomma-Zecke, sie kann Fleckfieber übertragen.

Bakterielle Resistenzen werden zunehmen, und Vibrionen werden sich stärker im Wasser vermehren. Diese Bakterienart kann zu schweren Wundinfektionen oder Blutvergiftungen führen.

Hitzewellen gefährden besonders Ältere und Menschen mit Vorerkrankungen. 2022 gab es bereits 4.500 Todesfälle durch Hitze in Deutschland.

Der Klimawandel kommt uns bereits teuer zu stehen

  • 2018 zahlten Bund und Länder nach dem Dürresommer mehr als 300 Millionen Euro Soforthilfen an Landwirte
  • 2019 gab es 800 Millionen zur Bewältigung der Waldschäden für die Forstwirtschaft
  • Seit 1991 hat Mecklenburg-Vorpommern rund 450 Millionen Euro in den Küstenschutz investiert
  • Die Sturzflutkatastrophe an Ahr und Erft im Juli 2021 kostete nicht nur mehr als 170 Menschen das Leben, sondern hinterließ allein im Ahrtal Schäden in Höhe von schätzungsweise 30 Milliarden Euro.

Milliarden-Schäden durch Klimawandel in Deutschland erwartet

Im Projekt „Kosten durch Klimawandelfolgen in Deutschland“ haben das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung, Prognose und die Gesellschaft für Wirtschaftliche Strukturforschung die zu erwartenden volkswirtschaftlichen Folgekosten des Klimawandels in Deutschland bis 2050 untersucht. Dabei wurden die Kosten für unterschiedliche Ausprägungen des Klimawandels ermittelt. Je nach angenommenem Szenario summieren sie sich über den Zeitraum 2022 bis 2050 auf mindestens 280 bis 900 Milliarden Euro. Sie steigen dabei im Zeitverlauf immer stärker an und dieser Kostenanstieg wird sich bis zum Ende des Jahrhunderts verstärkt fortsetzen.

Lesen Sie hier weitere Beiträge zu dem Fokusthema Erlebbarkeit Klimawandel.

Quellen:

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