Notenbanken driften auseinander

Es wird immer offensichtlicher. Die Wachstumskräfte im Euroraum lassen spürbar nach, während in den USA das Wachstum bislang nur geringfügig auf die kräftigen Zinsanstiege reagiert hat. Die relativ robuste Wachstumsdynamik in den USA und die damit verbundene Stärke des US-amerikanischen Arbeitsmarktes bringt einige Probleme für die US Notenbank. Offensichtlich haben die kräftigen Zinsanhebungen bislang keine oder kaum Wirkung gezeigt. Damit steigt das Risiko für eine Lohn-Preis-Spirale, da auch der Arbeitsmarkt in den USA von einem Facharbeitermangel gekennzeichnet ist, der sich auch in der Lohndynamik widerspiegelt.

Verbal steuert die US Notenbank Fed kräftig dagegen und kündigt Zinsanhebungen bzw. eine anhaltende restriktive Zinspolitik an, bis das Wachstum sich abschwächt und damit auch die Inflationsgefahren gebannt sind. Nur so einfach wird es nicht gehen. Zum einem scheinen die Wirkmechanismen der Geldpolitik in diesem Zyklus mit einem größeren zeitlichen Verzug auf die Wirtschaft zu wirken als üblich – zum anderen wurden die Zinsen schon kräftig angehoben. Beides zusammen bringt die Gefahr mit sich, dass die Fed überzieht und die US Wirtschaft in eine Rezession drückt, was natürlich vermieden werden soll. Daher erscheint es durchaus sinnvoll, dass die US Notenbank immer auf die bestehende Möglichkeit hinweist, dass die Zinsen weiter angehoben werden können und es wird sicherlich noch mindestens eine oder auch zwei Zinsanhebungen geben. Wirkungsvoller wäre es allerdings, wenn die US Notenbank die Renditen der länger laufenden Staatsanleihen steigen ließe. Denn die Bremswirkung auf die Konjunktur wäre stärker und die Handlungsfähigkeit der Notenbank bliebe weitestgehend erhalten. Eine solche Marktentwicklung lässt sich am leichtesten durch eine moderate Zurückhaltung in den Zinsanhebungen bewirken, da dann die Inflationserwartungen wieder etwas steigen würden. Es wäre also aus meiner Sicht keine Überraschung, wenn die Fed mehr ankündigt, als sie letztendlich liefert.

Fast gegensätzlich das Bild im Euroraum. Sicherlich: auch hier ist die Inflation noch zu hoch und die EZB wird auf ihrer nächsten Sitzung mit hoher Wahrscheinlichkeit die Zinsen abermals anheben. Aber das war es dann wohl auch. Mit Deutschland liegt die größte Volkswirtschaft im Euroraum förmlich am Boden – mit ungünstigen Auswirkungen auf den restlichen Euroraum. Die Konjunkturpolitik der Bundesregierung fällt dabei eigentlich aus und gibt keine oder kaum Impulse. Aber auch in den anderen Euroländern läuft es nicht rund. So gibt es politisch in Frankreich, Italien und Spanien einige Diskussionen, die sich zumindest nicht förderlich für die Konjunktur erweisen. Gleichzeitig haben sich die zunehmenden Wetterkapriolen ungünstig ausgewirkt. Damit kann sich die EZB darauf einstellen, dass die konjunkturelle Dynamik im Euroraum in den kommenden Quartalen nachlassen wird. Dies sollte sich dämpfend auf die Inflationsdynamik auswirken. Damit ist eine weitere Verschärfung der Geldpolitik obsolet. Die geldpolitische Ausrichtung der beiden großen Notenbanken sollte in den kommenden Monaten also beginnen sich auseinander zu entwickeln.

Für die Kapitalmärkte bringt eine solche Entwicklung natürlich einige Spannungen mit sich. So sollte sich die Differenz zwischen den US und deutschen Renditen ausweiten. Dies würde sich wiederum günstig auf den US Dollar auswirken und zu einer Aufwertung beitragen. Damit könnte der Gegenwind für die US amerikanischen Aktienmärkte weiter zunehmen. Dies könnte auf fruchtbaren Boden fallen, da dieser wegen der relativ hohen Bewertung insgesamt anfällig sein sollte. Es könnte also ein abwechslungsreicher Herbst werden.

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