Wenn Renditen steigen

An den internationalen Rentenmärkten hat sich in den letzen Tagen ein spürbarer Perspektivwechsel vollzogen. Auslöser war die Herabstufung der US amerikanischen Kreditqualität durch die Ratingagentur Fitch auf AA+. Begründet wurde diese leichte Verschlechterung mit der Haushaltspolitik der USA, die durch beständig steigende Haushaltsdefizite und den immer langwierigeren Diskussionen um die Anhebung der Schuldenobergrenze gekennzeichnet ist. Dass die immer weiter steigende Staatsverschuldung auf Dauer nicht tragfähig ist, ist kein Geheimnis und gilt nicht nur für die USA. Von den Finanzmärkten wird es bislang aber weitestgehend ignoriert.

Im aktuellen Jahr waren die hohen staatlichen Investitionen und Ausgaben sicherlich sehr willkommen, da diese die ungünstigen Effekte der Notenbankpolitik weitestgehend ausgeglichen haben. Daher ist man bisher in der komfortablen Lage gewesen, dass zwar die Zinsen kräftig gestiegen sind, aber die Konjunktur relativ ungeschoren davon kam. Der Arbeitsmarkt bliebt sogar weitestgehend unberührt, da sich hier auch noch demographische Aspekte bemerkbar gemacht haben. Langfristig ist die hohe Staatsquote aber sicherlich nicht optimal, da private Investitionen damit verdrängt werden und das strukturelle BIP-Wachstum geschwächt wird.

Für die Notenbanken könnten die steigenden Renditen aber sogar ein Segen sein. Zum einen wirken die höheren Renditen für Staatsanleihen bremsend auf die Konjunktur. Damit entfällt ein großer Teil des Drucks wegen der weiterhin hohen Inflation die Zinsen weiter anheben zu müssen. Zum anderen wird die weitere Schuldenaufnahme weniger attraktiv, da die Preise (Renditen) gestiegen sind.

Jedoch werden die Notenbanken die Renditen nicht völlig unkontrolliert steigen lassen. Zu groß ist das Risiko, dass sich die Aufwärtswegung verselbstständigt und damit dann auch die Aktienmärkte in Mitleidenschaft ziehen würde. Die Zutaten wären hierfür aber mit den Faktoren der inversen Zinsstruktur, hohen Schuldenständen und nur moderatem Wachstum vorhanden. Wenn die Renditen zu schnell und/oder zu hoch steigen, sollten die Notenbanken daher verbal intervenieren und wenn das nicht hilft, die Rückführung der Notenbankbilanzen verlangsamen. Letzteres erfolgt weitestgehend durch die Reduktion des Bestandes an Staatsanleihen. Somit haben die Notenbanken alle notwenigen Instrumente, um einen ungewünschte Entwicklung an den Staatsanleihemärkten zumindest eindämmen zu können.

Somit bleiben die Notenbanken auch weiterhin die wichtigsten Akteure an den Finanzmärkten. Vor diesem Hintergrund ist auch weiterhin eines der wichtigsten Ziele der Notenbanken ihre Glaubwürdigkeit zu erhalten und wenn möglich zu festigen. Denn nur mit dieser Glaubwürdigkeit können die Notenbanken ihre Funktion für die Finanzmarktstabilität auch weiterhin so erfolgreich erfüllen.

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