Gute und schlechte Nachrichten

Zurzeit sind die Entwicklungen in den Volkswirtschaften zweischneidig zu sehen. Natürlich ist es positiv, wenn sich die wirtschaftliche Entwicklung belebt und die entsprechenden Indikatoren sich positiv entwickeln. Nur diese robust wirtschaftliche Entwicklung trifft in den Industrieländern auf leergefegte Arbeitsmärkte. Zusätzliche Nachfrage hier dürfte den Lohndruck nur noch weiter nach oben schrauben. Dazu kommen steigende Energiepreise, die mit zunehmender Nachfrage an Dynamik gewinnen. Letzteres wird aktuell hauptsächlich von der Öffnung von China beeinflusst.

Diese (auf den ersten Blick sehr erfreulichen) Entwicklungen finden in einem Umfeld von hohen Inflationsraten statt. Die weit über den Notenbankzielen liegende Teuerungsrate hat in den letzten Monaten die Notenbanken zu einem Parforceritt durch die Notenbankpolitik veranlasst, die die Zinsen kräftig angehoben haben, aber auch die sonstigen geldpolitischen Instrumente restriktiver gestaltet haben. Die Notenbanken möchten mit allen Mitteln die Inflationsdynamik sichtbar senken und damit versuchen sicherzustellen, dass die Inflationserwartungen der Haushalte verankert bleiben. Ob dies tatsächlich gelingt ist aber noch nicht ausgemachte Sache.

Vor diesem Hintergrund sind realwirtschaftlich positive Nachrichten nicht per se als positiv zu bewerten. Denn wenn die aufhellende weltwirtschaftliche Konjunkturerwartungen die Inflationserwartungen und/oder die Inflation selbst ansteigen lässt, dann müssen die Notenbanken mit weiteren Zinsanhebungen reagieren. Ziel der Notenbanken ist, wie gesagt, die Absenkung der Inflation. Dies können die Notenbanken auf jeden Fall erreichen, wenn man die Gefahr einer Rezession in Kauf nimmt. Dazu scheinen die Notenbanken zwischenzeitlich auch bereit zu sein, da sie ansonsten für eine effiziente Geldpolitik essenzielle Glaubwürdigkeit, verlieren könnten. Die Zentralbanken müssen einfach die Zinsen immer weiter anheben, bis das Ziel erreicht wurde.

Für die Kapitalmärkte sind das nicht allzu rosige Aussichten. Den eine solche Geldpolitik dürfte die Zinsen und Renditen nach oben schieben und letztendlich die Aktienmärkte merklich belasten. Was dann entsprechend zu negativen Kursentwicklungen beitragen sollte. In den kommenden Monaten wäre für die Kapitalmärkte eine nur moderate wirtschaftliche Entwicklung bei leicht rückläufigen Inflationsraten sicherlich günstiger, da eine solche Entwicklung die Notenbanken in ihrem Ausblick sicherlich weniger alarmieren würde.

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