Britisches Pfund im Blickpunkt (November 2022)

Britisches Pfund im Blickpunkt (November 2022)
Stand: 30. November 2022

Neben unseren Blogbeiträgen veröffentlichen wir in loser Folge zusätzlich unsere Einschätzungen zu Entwicklungen einzelner Währungen, um auf mögliche Veränderungen bei Zinsen und Wechselkursen hinzuweisen.

Denn bei Krediten spielt neben dem Finanzierungsgrund oder -anlass und neben der Laufzeit, Kredithöhe, Tilgung oder Rückzahlung natürlich auch der Zins eine herausragende Rolle. Bei Währungskrediten, also bei Krediten, die nicht in Euro, sondern in Währungen wie etwa Schweizer Franken oder US-Dollar ausgegeben werden, beeinflusst zudem die Wechselkursentwicklung zwischen dem Euro und der anderen Währung die Kredithöhe sowie die Rückzahlungshöhe. Bei einer Währungsfinanzierung wird der Kredit in der gewünschten Währung, beispielsweise in Dollar aufgenommen und später wieder in Dollar zurückgezahlt.

Währungsentwicklung

Gegenüber dem Euro ist das Pfund in den vergangenen vier Wochen unverändert. Marktschwankungen um die zwei Prozent nach oben und unten beschreiben den Verlauf der Valuta. Im Beobachtungszeitraum dominieren besonders politische Ereignisse die Nachrichtenlandschaft.
Gleich in der 42. Kalenderwoche (KW) kündigt die noch durch die Queen eingesetzte Premierministerin Truss ihren Rücktritt an. Das Pfund nimmt diese Nachricht eher gelassen auf, denn die Nachfolger stehen bereits in den Startlöchern. Die Wahl des Finanzmarktexperten Rishi Sunak wurde von den Devisenmärkten wohlwollend, aber ohne positive Konsequenzen für das britische Pfund registriert. In der 44. KW tagte die Bank of England (BoE). Die Kommentare von Gouverneur Bailey sorgten dafür, dass das Pfund wieder auf die aktuellen Niveaus gefallen ist. Auch der
Wechsel des Schwerpunkts der BoE von der Inflation weg zur konjunkturellen Entwicklung, sorgte weiter für Druck auf die Kurse der Valuta. Zum Ende des Beobachtungszeitraums kann sich das Pfund vor dem Hintergrund der US-Inflationszahlen – auch gegenüber dem Euro – wieder erholen und auf die Niveaus der 42. KW ansteigen. Durch die „Stabübergabe“ weg von der Inflation hat sich die Sichtweise auf Großbritannien etwas aufhellen können. Denn im Schwerpunkt geht es um die Finanzstabilität. Sie bestimmt, wie gut eine Volkswirtschaft mit straffer Geldpolitik, Inflation und Rezession klarkommt. Die Analysen für Großbritannien sind diesbezüglich vielversprechend.

GELDPOLITIK

Die BoE hat erneut die Leitzinsen erhöht, um die Inflation zu bekämpfen. Mit einem Schritt von 75 Basispunkten befindet sich der Leitzins auf einem Niveau von drei Prozent. Allerdings relativierte Gouverneur Bailey die Maßnahmen nach der Sitzung des Geldmarktkomitees. Er stellte zum Beispiel fest, dass die Notenbank zwar die Inflation mit höheren Zinsen bekämpfen werde, doch die aktuell gerechneten Zinssätze für die Zukunft seien zu hoch. Im Geldmarkt war auch nach der Sitzung der BoE kein besonderer Aufwärtsdruck mehr zu beobachten. Die Bekämpfung der Inflation ist, wenn man den Offiziellen glauben darf, noch nicht abgeschlossen.

Unsere aktuelle Einschätzung

Das britische Pfund ist für Kreditnehmer – mit überwiegenden Einkünften in Euro – kurz-, mittel- und langfristig spekulativ.

Kurzfristig umfasst den Prognosezeitraum der kommenden zwölf Monate, mittelfristig rund drei Jahre und langfristig rund fünf Jahre. Spekulativ bedeutet dabei, dass mit hohen Währungsschwankungen zu rechnen ist.

Break-Even-Kurse

Der Break-even-Kurs gibt jenen Euro-Kurs an, bei dem der Zinsvorteil respektive der Zinsnachteil durch die Währungsveränderung ausgeglichen wird.

1 Jahr3 Jahre5 Jahre
0,88650,92670,9574
* Der Break-even dient als Anhaltspunkt dafür, wie stark sich rechnerisch ein Wechselkurs bei gleichbleibendem Sollzinssatz verändern darf, damit Sie aufgrund des bestehenden Zinsvorteils in der niedriger verzinsten Währung nach einer bestimmten Laufzeit sich immer noch gleich oder besser stellen als mit einem Darlehen in Euro. Erst bei Unterschreiten des Break-even-Kurses würden die Kreditkosten in einer Fremdwährung über den Kosten eines Euro-Kredites liegen.

Währungsprognose (Kursentwicklung Euro zu Britischem Pfund)

Kurzfristig (3 Monate): seitwärts
Mittelfristig (6 Monate): aufwärts
Langfristig (12 Monate): seitwärts

Als Faustregel bei den möglichen Wechselkursveränderungen gilt:

Kursgewinn
Ist der Wechselkurs der Finanzierungswährung bei Rückzahlung höher als bei Aufnahme des Kredits, entsteht ein Kursgewinn, der zur weiteren Senkung der Finanzierungskosten beiträgt.

Kursverlust
Ist der Wechselkurs der Finanzierungswährung bei Rückzahlung niedriger als bei Aufnahme des Kredits, entsteht ein Kursverlust. Grundsätzlich gilt: Je länger die Währungsfinanzierung in Anspruch genommen wird und je höher die Zinsvorteile sind, desto eher kompensieren Kreditnehmer mögliche ungünstige Wechselkursveränderungen.

Aktuelle Beispiele für Finanzierungen in Währungen, wie sie von Privat- und Firmenkunden immer wieder in Anspruch genommen werden, finden Sie in den Blogbeiträgen.

Datenstand
18. November 2022

Diesen Artikel bewerten

Aktuell ist noch keine Bewertung vorhanden. Seien Sie der Erste!
Durchschnittliche Bewertung des Artikels: 3.8
Anzahl abgegebener Bewertungen: 4

Das könnte Sie auch interessieren

Es sieht nicht gut aus – Part II
Es sieht nicht gut aus – Part II
25. Mai 2022
Die Inflation arbeitet sich durch das System
Die Inflation arbeitet sich durch das System
22. April 2022
Euro im Blickpunkt (Mai 2022)
Euro im Blickpunkt (Mai 2022)
27. Mai 2022

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

5 + neun =