Es ist schon viel negatives verarbeitet worden

Es ist schon viel negatives verarbeitet worden
Stand: 24. Oktober 2022

Das wirtschaftliche Umfeld hat sich in den letzten Wochen nicht verbessert. Wir laufen weiterhin auf eine Rezession in den kommenden Monaten zu. Dabei wird sich die wirtschaftliche Abkühlung in Europa stärker bemerkbar machen als in den USA. Der einzige Vorteil dabei ist, dass uns dies nicht mehr überrascht. Eine Überraschung wäre eine tiefe und lange Rezession oder aber tiefere Einschnitte auf dem Arbeitsmarkt. Letzterer wird aber von der Demographie und dem damit einhergehende Facharbeitermangel größtenteils abgeschirmt. Auch der Krieg in der Ukraine scheint weiterhin kein Ende zu finden. Die Kriegsrhetorik auf beiden Seiten hat aber ihren Schrecken verloren, da wir uns auch teilweise daran gewöhnt haben. Hier wäre eine negative Überraschung, wenn sich der Krieg doch auf das NATO-Gebiet ausweiten würde oder die Drohung vom Einsatz von Atomwaffen realistischer werden würde. Beides ist aus meiner Sicht aktuell nicht sehr wahrscheinlich.

Die Notenbanken folgen ihren Ankündigungen und heben die Zinsen an, die Liquidität wird ebenfalls reduziert. Hierbei waren die Zinserwartungen in den letzten Wochen stark nach oben geschnellt. Hier dürften die Investoren nun aber etwas über das Ziel hinausgegangen sein. Man sollte im Blick behalten, dass die Notenbanken schon einige Zinsanhebungen vollzogen haben und auch noch einige anstehen. In diesem Tempo wird man aber nicht weitermachen. Die Wirkungsverzögerung von Zinsanhebungen hängt von vielen Variablen ab und liegt zwischen 6 Monaten und 1 1/2 Jahren. Die Auswirkungen der gestiegenen Zinsen wird uns also erst noch treffen, auch in Form der erwarteten Rezession. So ist es eigentlich keine Überraschung, dass Mitglieder der Fed sich nun auch langsam öffentlich dazu äußern, dass man die Geschwindigkeit der Zinsanhebungen erstmal verringern kann, wenn man etwa 4,5% bei den Notenbankzinsen erreicht hat. Falls dies doch noch nicht ausreicht, um die Inflation nachhaltig zu dämpfen, kann die US Notenbank im zweiten Halbjahr 2023 in die Feinsteuerung gehen.

Somit dürfte sich die Stimmung an den Aktienmärkten zunächst etwas verbessern. Der konjunkturelle Abschwung und der Krieg im jetzigen Stadium scheint ausreichend eingepreist zu sein. Die US Notenbank ist auf den Weg etwas weniger sorgenvoll in die Zukunft zu schauen, was die Zinserwartungen moderater ausfallen lässt. Diese leicht positive Entwicklung dürfte bei der aktuellen schlechten Stimmung der Investoren und der negativen Positionierung ausreichen, um das Aktienmarktumfeld konstruktiver werden zu lassen. Natürlich kann sich dies bei dem fragilen Umfeld schnell wieder ändern. Aber die Aktienmärkte scheinen zunächst genügend negativen Meldungen in den Kursen verarbeitet zu haben.

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