Die Inflation steigt und wir trennen uns von inflationsgeschützten Anleihen – wie passt das zusammen?

Die Inflation steigt und wir trennen uns von inflationsgeschützten Anleihen – wie passt das zusammen?
Stand: 10. November 2021

Jetzt ist es amtlich. Heute hat das statistische Bundesamt seine Vorabschätzung von Ende Oktober bestätigt. In Deutschland stiegen die Verbraucherpreise im Oktober um 4,5% gegenüber dem Vorjahresmonat. Anstiege über vier Prozent hatten wir zuletzt Anfang der 1990er Jahre. Auch in den USA ist die Inflation mit deutlich über 5% so hoch wie zuletzt vor der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008.

In der vergangenen Woche haben wir uns in unseren Vermögensverwaltungsmandaten von inflationsgeschützten Anleihen getrennt. Im Unterschied zu gewöhnlichen Anleihen erhält der Anleger hier über die Zins- und Rückzahlung hinaus noch einen Inflationsausgleich. Damit können sich Anleger vor Inflation schützen. Je höher die Inflation in der Zukunft ausfällt, desto höher ist bei dieser Art von Anleihen auch der Ausgleich, den der Investor für den Anstieg der Verbraucherpreise erhält.

Angesichts der nach wie vor vorhandenen globalen Lieferkettenprobleme, steigender Energiepreise und anziehender Löhne, insbesondere in den USA, gehen immer mehr Marktbeobachter davon aus, dass die Inflation über einen längeren Zeitraum hoch bleiben wird. Und genau in dieser Phase trennen wir uns von dem Inflationsschutz. Auf den ersten Blick kurios. Um uns zu verstehen, blicken wir noch etwas detaillierter auf die Funktionsweise der inflationsgeschützten Anleihen. Ihr Kurs richtet sich – neben dem aktuellen Zinsniveau und der Laufzeit – nach der Inflationserwartung. Kurz gesagt: je höher die Inflationserwartung, desto teurer diese Anleihen und umgekehrt. Sofern die zukünftige Inflation nun höher ist als die in den Anleihen eingepreiste Inflationserwartung, desto besser für den Investor. Er erhält dann einen höheren Inflationsausgleich als ursprünglich erwartet. Falls die tatsächliche Inflation über die Laufzeit der Anleihe aber geringer als die ursprüngliche Inflationserwartung ist, desto schlechter wird das Geschäft für den Investor.

Die Inflationserwartung kann man sich auch als Versicherungsprämie gegen weiter steigende Inflation vorstellen. In den letzten Wochen haben die Inflationserwartungen der Kapitalmärkte – abzulesen z.B. an den Inflation Swaps – übertrieben hohe Niveaus erreicht. Damit wurden infolge auch die Prämien sehr teuer und die Kurse der inflationsgeschützten Anleihen sind deutlich gestiegen. Da wir nun davon ausgehen, dass die Inflation in den nächsten Jahren geringer sein wird als die aktuelle Inflationserwartung, machen diese Anleihen aus unserer Sicht keinen Sinn mehr und wir haben diese konsequenterweise zu hohen Kursen und mit Gewinnen verkauft.

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