Gute Nerven und Durchhaltevermögen

Gute Nerven und Durchhaltevermögen
Stand: 21. Juni 2021

Am vergangenen Freitag haben die Märkte äußerst nervös auf Äußerungen von einem Mitglied der US Notenbank (H Bullard) reagiert. H Bullard deutete an, dass die geplanten Zinsanhebungen ggf. früher stattfinden müssen, da sich die Konjunktur schneller als bisher erwartet erholen könnte. Soweit nicht ungewöhnlich, aber an den deutlichen Kursabschlägen an den Aktienmärkten kann man sehen, wie stark sich die Investoren auf die Ankündigung der Notenbanken und hier insbesondere der US-amerikanischen Notenbank verlassen, dass die Zinsen erst ab 2023 steigen sollen.

Dabei verlässt man sich auf das robuste Nervenkostüm der Notenbanken. Die US-Inflation hat zwischenzeitlich einen Wert von 5% erreicht. 7% Inflation dürfte in den kommenden Monaten keine Überraschung sein und wenn sich die Verspannungen in den weltweiten Lieferketten noch weiter verschärfen, kann die Inflation in den USA auch relativ leicht bis auf 10% ansteigen. Jedoch – und das ist die wichtige Bedingung für die Notenbanken – soll der starke Anstieg der Inflation keine Zweitrundeneffekte am Arbeitsmarkt auslösen. Damit würde die Inflation ab Q4 2021 wieder relativ schnell Richtung 2% fallen, dem Inflationsziel der US-Notenbank.

Aber selbst wenn das alles so kommt, müssen die Vertreter der Notenbanken in der Zeit, in der die Inflation so hohe Werte erreicht, die Nerven behalten und dürften nicht von ihrem bisherigen Kurs abweichen. Wenn dies gelingt, dann ist das bisherige Verhalten der Anleger richtig. Denn die Inflation ist letztendlich die wichtigste Steuerungsgröße für die Notenbanken. Wenn die Notenbanken aber auf einem Anstieg der Preisdynamik nicht reagieren und die Entwicklung als kurzfristig klassifizieren, dann hat die Inflation selbst erstmal keine negativen Wirkungen auf den Finanzmarkt. Vielmehr können sich die fallenden Realzinsen sogar positiv auf das Wachstum auswirken. Dies ändert sich natürlich sofort und drastisch, wenn die Notenbanken ihre Meinung und Kommunikation ändern.

Somit ist das aktuelle Verhalten der Anleger ein sehr großer Vertrauensbeweis in die Überzeugung und das Durchhaltevermögen der Entscheidungsträger in den Notenbanken. Aus meiner Sicht werden hierzu zu viele Risiken ausgeblendet und wishful thinking dominiert zu stark.

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