Europa: Ein großer Kontinent mit Problemen

Europa: Ein großer Kontinent mit Problemen
Stand: 15. Februar 2021

Europa oder besser die Europäische Union hat in den letzten Jahren deutlich an Attraktivität verloren. Der Brexit steht hierfür wie ein Mahnmal. Innerhalb von Europa dauern Entscheidungen zu lange und die Interessen von einzelnen Ländern können sinnvolle Prozesse aufhalten oder gar ganz stoppen. Zumal Länder wie Ungarn und Polen an einer strukturellen sinnvollen Weiterentwicklung des europäischen Gedankens zurzeit nur wenig Interesse haben – obwohl diese Länder von den finanziellen Leistungen der Europäischen Union deutlich profitieren.

Diese ungünstige Entwicklung setzt sich im Euroraum fort. Die strukturellen Unterschiede zwischen den Ländern wurden seitdem der Euro aus der Taufe gehoben wurde nicht kleiner sondern größer, obwohl man viele Jahre ein gutes konjunkturelles Umfeld hatte. Stattdessen verlassen sich die Euro-Länder auf die Unterstützung der EZB, die mit allen möglichen geldpolitischen Mitteln die strukturelle Stabilität des Euroraums bislang relativ erfolgreich erhalten hat. Jedoch werden die Fliehkräfte innerhalb des Euroraums damit immer größer und damit auch die Gefahr, dass die EZB ab einen gewissen Zeitpunkt den Zusammenhalt nicht mehr gewährleisten kann.

Die Belastungen in Folge der Corona-Pandemie wirken nun wie ein Brennglas und lassen die Probleme in der EU und dem Euroraum deutlich hervortreten. Insbesondere der im internationalen Vergleich sehr langsame Fortschritt der Impfkampagne, ist hierfür zu einem Synonym geworden. Dazu kommen geschlossene Grenzen in Europa, eine fehlende Strategie gegen die vermeintlichen Mutationen des Coronavirus und eine sehr langsame Auszahlung der zugesagten finanziellen Unterstützungen für Unternehmen.  Neben dem menschlichen Leid und ein – zumindest gefühlt – nicht enden wollender Lockdown, verlangsamt sich die konjunkturelle Erholung in Europa und die Verschuldung der EU-Länder steigt immer weiter. Zudem werden die Missstände in der Bildungspolitik und der Infrastruktur nun deutlich sichtbar.

Damit werden die EU und der Euroraum im internationalen Vergleich als Investitionsstandort unattraktiver. So sinken die ausländischen Direktinvestitionen bereits seit Jahren und auch die Performance der europäischen Aktienmärkte hinkt der Performance der US-amerikanischen Indizes hinterher. Dies spiegelt sich auch in der nur schwachen Dynamik an europäischen Börsengängen wider. Offensichtich ist es für viele Unternehmen interessanter in den USA an die Börse zu gehen, als in einem europäischen Land.  Das weitestgehende Fehlen von großen europäischen IT Unternehmen ist hierfür ein weiteres Indiz.

Die politischen Ziele und die Wachstums- und Zukunftsstrategie für Europa muss spürbar dynamischer und attraktiver werden. Die EU-Länder brauchen höhere Investitionen in das Bildungssystem und die Infrastruktur. Aber vielleicht noch wichtiger: das gemeinsame Verständnis der EU-Länder und die europäische Idee  sollten stärker präsent sein. Nur wenn dies gelingt, kann Europa und der Euroraum den internationalen Herausforderungen ein attraktives und schlüssiges politisches und wirtschaftliches Konzept entgegenhalten und im internationalen Wettbewerb mithalten. Dies könnte auch den Nachteil einer sinkenden Bevölkerungszahl ausgleichen und Europa würde wieder ein attraktiver Investitionsstandort werden. Bis dies in den ersten Ansätzen erkennbar wird, ist es nicht ratsam die europäischen Aktienmärkte in einem internationalen Portfolio überproportional zu gewichten.

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