Gamestop – das System schlägt zurück

Gamestop – das System schlägt zurück
Stand: 30. Januar 2021

Viel wurde in den letzten Tagen über das Phänomen Gamestop geschrieben. Im Prinzip passiert folgendes: Hedgefonds setzten auf einen Kursrückgang einer Aktie (Gamestop) und viele Kleinanleger, die sich im Internet auf Plattformen treffen und verabreden, wetten gemeinsamen dagegen und kaufen die Aktie. Viele Kleine handeln also gegen einige Große. Die Plattformökonomie hat den Kapitalmarkt erreicht.

Kurzfristig hat der Kampf „Schwarm gegen Dino“ deutlich sichtbare Folgen. Die Hedgefonds brauchen Kapital, um die Verluste auszugleichen. Dafür werden nun auch andere Aktien verkauft. Die Verunsicherung der Investoren steigt. In Folge verkaufen auch unbeteiligte Investoren und nach einiger Zeit auch automatische Handelsprogramme (Algo-Trader) ebenfalls Aktien. Die Folge ist ein breitangelegter Kursrutsch an den Aktienmärkten.

Was kann passieren: Das ungünstigste Szenario wäre, wenn allen beteiligten Hedgefonds gleichzeitig die Liquidität ausgehen würde. Dann kämen die beteiligten Banken unter Druck und es dürfte zu deutlichen Marktverwerfungen mit längerfristigen negativen Folgen für die Finanzmärkte kommen. Ein aus jetziger Sicht unwahrscheinliches Szenario.

Das wahrscheinlichere Szenario ist, dass zwar einige der Hedgefonds in Schwierigkeiten kommen, aber die Abwicklung verzögert erfolgt, damit die Auswirkungen auf die Märtke beherrschbar bleiben. Nach einigen turbulenten Tagen, in denen wohl auch einige der Kleinanleger Geld verlieren werden, kehren die Aktienmärkte wieder zur Normalität zurück. Aktien von werthaltigen und fundamental gesunden Unternehmen erholen sich. In diesem Szenario kann man also die Kursrückschläge nutzen und die Aktienquote leicht erhöhen.

Die langfristigen Folgen sind noch nicht absehbar, da es sicherlich auch eine regulatorische Antwort auf die jüngsten Ereignisse geben wird. Aber das Aufeinandertreffen von Kapitalmarkt und Plattformökonomie wird uns noch einige Zeit beschäftigen. Denn die These, dass der Kapitalmarkt mittelfristig immer zu einer optimalen Verteilung von Kapital führt ist, durch die jüngsten Ereignisse zumindest in Frage gestellt worden.

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