Radikalisierung und selektive Wahrnehmung

Stand: 11. Januar 2021

Was für eine Woche. Der Kongress in den USA wurde gestürmt und die Sorge um die politische Stabilität der USA nahm kurzfristig zu. Wie erwartet haben sich die Ereignisse in den USA aber letztlich sogar positiv ausgewirkt. Der geplante Angriff auf die Institutionen hat US Präsident Trump in seiner Position geschwächt und die Drohung mit strafrechtlichen Konsequenzen hat ihn letztendlich sogar zum Einlenken bewegt und er hat den Wahlsieg von Joe Biden anerkannt. Damit steht einer geordneten Amtsübergabe eigentlich nichts mehr im Wege. Das geplante Amtsenthebungsverfahren hat zwar nur einen symbolischen Wert, ist aber als Signal wichtig. Nun muss man nur darauf achten, dass diese Vorfälle in den USA nicht zu einer Radikalisierung der Politik führen. Der bayrische Ministerpräsident Söder ist hier mit seinen Forderungen in Vorlage gegangen. Eine Demokratie lebt von der freien Meinung und der freien Presse – bei aller berechtigten Sorge um die Institutionen, hier muss man politisch die richtige Balance finden. Eine Radikalisierung ist auf allen Seiten des politischen Spektrums, wie auch in den politischen Institutionen selbst, nie der richtige Weg.

Die Kapitalmärkte ignorieren weiterhin schlechte Nachrichten und stürzen sich förmlich auf positive Entwicklungen. Die niedrigen Zinsen und die überwältigende Alternativlosigkeit bei der Geldanlage führen zu einem stabilen Strom an Kapital, das im Aktienmarkt investiert wird. Bewertungsmaßzahlen sind bei dem aktuellen Nullzins-Umfeld keine Hilfe, da sich hier erst eine neue Kalibrierung ergeben muss. So wirken viele Märkte zwar teuer, aber diese Einschätzung beruht auf wenig aussagekräftigen historischen Vergleichen. Zudem werden die im letzten Jahr gemiedenen Value-Aktien oder Dividendentitel wieder verstärkt nachgefragt.

Insgesamt kann man damit rechnen, dass sich der aktuelle Trend die nächsten Wochen fortsetzt. Einzig eine signifikante Änderung des Corona-Szenarios kann hier deutliche Veränderungen einleiten, aber dafür gibt es keine Indikation. Das sogenannte Impf-Chaos, das sich auf Deutschland beschränkt, kann man hierbei ignorieren. Diese Diskussion ist weitestgehend politisch motiviert.

Insgesamt bleibe ich daher weiterhin sehr positiv, mit einer Übergewichtung an Aktien und Gold. Staatsanleihen von Core-Ländern, wie Deutschland, sind aus meiner Sicht dagegen aber teuer.

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