Wagen Notenbanken Zinssenkungen trotz hoher Inflation?

In einem unerwarteten Zug neigen Notenbanken zu Zinssenkungen, trotz anhaltend hoher Inflation. Ein tieferer Blick auf die Wirtschaft enthüllt, warum dieser Schritt Sinn macht.

Ein Haufen Geld, der auf einem Tablet und Papier liegt.
  • Notenbanken signalisieren Zinssenkungen inmitten hoher Inflationsraten, eine Reaktion auf angespannte Arbeitsmärkte und Investitionszurückhaltung.
  • Die Entscheidung berücksichtigt eine neue Einschätzung der Angebotsseite der Wirtschaft; die Nachfrage übersteigt weiterhin das Angebot.
  • Dieser Schritt könnte für stabile Aktienmärkte und fallende Renditen sorgen, ein positives Zeichen für Investoren in unsicheren Zeiten.

Überraschende geldpolitische Lockerung bei hohen Inflationsraten

Die Notenbanken der Industrieländer sind auf den letzten Sitzungen mehrheitlich verbal auf einen geldpolitischen Lockerungskurs eingeschwenkt. Die tatsächlichen Zinssenkungen sollten in den kommenden Monaten folgen. Dies war insofern überraschend, da die Inflationsraten sich spürbar über dem Zielniveau von 2 % einpendeln und damit die Notenbanken eigentlich noch vorsichtig sein könnten.

Geldpolitische Wende trotz Inflationsdruck

Jedoch kommt hier eine neue Einschätzung der Wirtschaftsstruktur zum Tragen. Die Angebotsseite ist weiterhin angespannt. Das heißt, dass die Nachfrage weiterhin das Angebot latent übertrifft. Die Gründe hierfür liegen weniger in den Lieferketten, obwohl man hier weiterhin nicht auf dem Niveau von vor der Corona-Krise angelangt ist. Vielmehr ist entscheidend, dass die Arbeitsmärkte angespannt sind; es wird also weniger Arbeit (von den Haushalten) angeboten, als von den Unternehmen nachgefragt wird. Zudem klaffen die Nachfrage und das Angebot an Skills auseinander. Die demographischen Veränderungen verstärken diese Trends noch.

Angebotsspannungen treiben neue Notenbankstrategie

Neben dem Arbeitsmarkt wird aber auch noch ein anderes Phänomen immer wichtiger. Die Unternehmen halten sich mit Investitionen zurück. Die Entwicklung ist natürlich zwischen den Ländern unterschiedlich, aber generell wird zurzeit zu wenig in neue Produktionsanlagen investiert. Dies liegt wohl hauptsächlich an den höheren Zinsen. Durch die höheren Zinsen sinkt die Rentabilität der Investitionen und damit natürlich auch die Bereitschaft hierfür.

Investitionszurückhaltung als Bremsklotz für die Wirtschaft

Die Folge ist im Vergleich zur Nachfrage ein relativ knappes Angebot. Den Unternehmen fällt es leichter, höhere Preise durchzusetzen. Dies führt zu einer höheren Inflation, die sich entsprechend über 2 %, dem Zielwert vieler Notenbanken, einpendelt. Diese Entwicklungen werden nun in den perspektivischen Zinsentscheidungen mehr ins Kalkül genommen. Die Notenbanken müssen die veränderte Struktur auf der Angebotsseite beachten, ansonsten laufen sie Gefahr, die Zinsen zu spät zu senken und damit eine unerwünschte Abkühlung der Konjunktur oder gar eine Rezession zu unterstützen oder herbeizuführen. Rein von außen betrachtet ergibt sich jetzt aber das Bild, dass die Notenbanken bei hoher Inflation anfangen, die Zinsen zu senken.

Die Zukunft der Zinspolitik und ihre Auswirkungen auf die Finanzmärkte

Für die Finanzmärkte ist dies wieder mal ein sehr gutes Szenario. Fallende Zinsen bei stabiler Wirtschaft. Wenn sich die Struktur der Wirtschaft nicht stark ändert, dann werden die Notenbanken sich zunächst in diesem Regime bewegen. Das bedeutet, dass man bei Inflationsraten von rund 3 anfängt, die Zinsen zu senken. Wenn die wirtschaftliche Dynamik zunimmt und damit die Inflationsgefahren wieder steigen, können die Notenbanken auch wieder auf die Bremse treten und die Zinsen wieder anheben. Aber de facto wird zunächst einem inflationsgetriebenen Zinszyklus entgegengesehen, der mit Zinssenkungen beginnt und Aussichten auf fallende Renditen sowie stabile Aktienmärkte bietet. Und wenn die Unternehmen wieder mehr investierten, dürfte dies für Aktienmärkte auch erstmal positiv sein, bis die Inflation wieder zu stark ansteigt. Insgesamt ein positives Umfeld, das die vielen geopolitischen Risiken weiterhin ausblendet.

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